Neulich im Kino: Everest [Review].

Es gibt tausend verschiedene Gründe, warum ich niemals auch nur auf den Gedanken gekommen bin, „den Mount Everest besteigen“ auf meine Bucket List zu setzen – Ich habe die Kondition von Brot, das drei Tage gelegen hat. Ich friere eigentlich immer. Wo sollte ich da auf’s Klo gehen? Manchmal habe ich krasse Höhenangst. Mein Gleichgewicht ist auch nicht das allerbeste, selbst wenn ich nicht auf Schnee und Eis umherlaufen muss … Aber manche Menschen brauchen nur einen Grund, um über all das hinwegzusehen und diesen 8.848 Meter hohen Koloss von einem Berg erklimmen zu wollen: „Er ist da“.

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Die Bergführer Rob Hall [Jason Clarke] und Scott Fischer [Jake Gyllenhaal] sowie deren Teams und Kunden sind solche Menschen. Sie versuchten im Frühjahr 1996 ihr Glück und scheiterten leider tragisch [und das ist kein Spoiler, der Film basiert auf wahren Geschehnissen, die ja bereits vor einigen Monden so oder so ähnlich passiert sind] … Durch einen aufziehenden Sturm, aber auch durch simple menschliche Schwächen, wie ihrem Stolz oder lebensgefährlichem Ehrgeiz, falschen Absprachen und dem ständigen Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern der kommerziellen Bergführungen.

Ihr müsst nämlich wissen: Der Mount Everest war – und ist auch heute – gar kein so seltenes, speziell für knüppelharte Leute reserviertes Reiseziel wie ich bisher immer dachte. Nö, was sich dort abspielt[e], könnte man auch schon Massentourismus nennen. Und das sogar in dem Umfang, dass geführte Touren nicht nur für Bergsteiger mit einer Menge Erfahrung [und einem ganzen Haufen Geld auf dem Konto] angeboten wurden, sondern selbst für Männer und Frauen, die noch nie ein Steigeisen an den Füßen hatten [aber dafür einen ganzen Haufen Geld auf dem Konto]. Da war also ganz schön was los!

You my friends are following in the very footsteps of history, something beyond the power of words to describe. Human beings simply aren’t built to function at the cruising altitude of a 747. Our bodies will be literally dying.

Logischerweise kann so ein Überschuss an Menschen auf einem schwierig zu passierenden Gelände [man denke an Gletscherspalten, Abhänge und all diese schönen Dinge] nur zu einer Sache führen: Stau. Dieser führt zu Wartezeiten – Die zu sinnlosem herumstehen – Das zu Unterkühlung und längerem Gebrauch der Sauerstoff-Flaschen, als ursprünglich geplant war und so weiter und so fort …
Kurz zusammengefasst führt das alles zu einem riesigen und gefährlichen Haufen Scheiße.

All diese Dinge, die schieflaufen können, sehen wir in Everest in gewaltigen Bildern, die tatsächlich für das 3D-Format geschaffen sind. Wie oft habe ich mich schon während eines Kinofilms geärgert, weil es außer der Geldmacherei und dem obligatorischen auf-mich-zufliegenden Dreckklumpen / Stahlträger / Wassertropfen absolut keinen Grund gab, sie in diesem Format zu zeigen?! [Ganz einfach: Zu oft.]
Aber hier konnte ich jede Minute genießen. Gletscherspalten wirken tiefer, die Aussicht spektakulärer, der Gipfel majestätischer und die Abstiege gefährlicher. Und nicht nur die Bilder konnten mich überzeugen! Die Handlung hat mich sehr schnell mitgerissen, es kam keine Sekunde Langeweile auf und ich war mehr als ein Mal froh darüber, dass ich noch niemals auf diesem Berg stand.

Mein einziger Kritikpunkt: In den 150 Minuten, in denen Everest auf der Leinwand war, wurde leider nur wenig Zeit beiseite genommen, um die Charaktere besser kennenzulernen. Wir bekommen ein paar vage Beweggründe, ein paar flüchtige Blicke auf Ehefrauen und Kinder … Aber nicht genug, um eine tiefere Bindung als „Och, der/die ist mir aber sympathisch“ aufzubauen. Das lag aber auf keinen Fall am Casting – die haben ihren Job alle richtig gut gemacht – sondern eher am Drehbuch.

Alles in allem ist Everest in meinen Augen ein sehr gut umgesetztes, spannendes Drama, das ich jedem empfehlen würde, der sich auch nur im entferntesten irgendwie für das Bergsteigen interessiert. Obwohl.. Eigentlich auch dem Rest. Ich hätte mich selbst ja auch nie als „interessiert“ bezeichnet.
Und egal, ob Bergsteig-Fan oder nicht. Jeder Zuschauer wird in der letzten halben Stunde des Films mitfiebern, wer es denn nun raus aus dem Sturm und runter vom Berg schafft.

Sit down, man. Climatize.

Funfact, der mir bis vorhin gar nicht so richtig klar war: Der Journalist, den das Team um Rob Hall dabei hatte, um ihren Aufstieg zu dokumentieren, war Jon Krakauer. Genau, das ist der Typ, der auch das [übertrieben verliebte] Buch Into the Wild über Chris McCandless geschrieben hat. Seine Sicht der Ereignisse, die sich im Mai 1996 auf dem Mount Everest abgespielt haben, kann man in Into Thin Air nachlesen. [Ich habe mittlerweile auch ein paar Reviews gesehen, die sich darüber beschweren, dass sich Everest nicht an diese „Buchvorlage“ hält. Das kann ich natürlich nicht einschätzen.]

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