Rezension: Godspeed – Die Reise beginnt.

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Titel: Godspeed – Die Reise beginnt [Original: Across the Universe]
Autorin: Beth Revis
Dressler-Verlag – Gebundene Ausgabe – 445 Seiten
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Worum gehts

Die 17-jährige Amy ist einer der eingefrorenen Passagiere an Bord der Godspeed. Sie hat alles zurückgelassen – ihren Freund, ihre beste Freundin, ihr komplettes bisheriges Leben – um mit ihrem Eltern am Projekt Arche teilzunehmen. Amy und ihre Eltern sollen am Ende ihrer Reise zu einem neuen Planeten wiedererweckt werden – 300 Jahre in der Zukunft. Aber 50 Jahre vor der geplaneten Landung wird Amys Kühlkasten mysteriöserweise abgeschaltet und sie wird gewaltsam zurück ins Leben gerissen. Hat jemand versucht Amy umzubringen? Von nun an ist Amy in einer Welt gefangen, die ihr vollkommen fremd ist. Alle Passagiere der Godspeed folgen gehorsam dem tyrannischen und Furcht einflößenden Anführer. Alle – bis auf den jungen rebellischen Junior, der vom ersten Moment an von Amy fasziniert ist. Irgendwie fühlt sich Amy zu Junior hingezogen. Aber kann sie einem Jungen vertrauen, dem sein Leben lang der Blick hinter die kalten Metallwände der Godspeed verborgen blieb? Amy weiß nur, dass ihr und Junior nicht mehr viel Zeit bleibt, den schrecklichen Geheimnissen der Godspeed auf die Spur zu kommen.

Meine Meinung

Achtung, Achtung. Auf kleinere Spoiler konnte ich nicht verzichten.

Lasst mich eins klarstellen: Ich bin kein großer Worldbuilding-Kritiker. Ich hinterfrage Dinge in Fantasy- oder Sci-Fi-Literatur nicht. Ich nehme sie in den meisten Fällen einfach hin und „Logikfehler“ die vielen gleich ins Auge hüpfen, fallen mir erst auf, wenn ich erboste Kritiken darüber lese. Wenn mir Beth Revis also auftischen möchte, dass alle Besatzungsmitglieder der Godspeed dunkle Haut, braune Augen und schwarze Haare haben, ist das okay für mich. Wenn sie meint, dass der Antrieb des Raumschiffs aus diesen oder jenen [nach Internet-Recherche eher zweifelhaften] Gründen nicht mehr richtig funktioniert und irgendwann vielleicht ganz ausfällt, ist mir das eigentlich auch egal.. Im Gegensatz zu vielen Lesern auf Goodreads war ich vom Worldbuilding ziemlich begeistert. Ich mochte, wie die Godspeed aufgebaut ist [hierbei auch ein großes „Huiii“ an die tolle Karte des Schiffes, die der Dressler-Verlag in die Innenseite des Buchumschlags gedruckt hat], wie die Menschen an Bord ruhig gestellt wurden, damit „der Frieden gewahrt“ wird und die vielen Geheimnisse, die der Älteste [der Anführer] verbirgt.

Die Story ist interessant und fantasievoll, hat ein paar gute Drehungen und Wendungen und obwohl ich nicht der größte Fan des „Ich-Erzählers“ bin, finde ich Beth Revis‘ Schreibstil sehr angenehm und gut zu lesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man Godspeed auch in einem Rutsch durchlesen kann, wenn man Zeit und Lust dazu hat. Dass die Kapitel relativ kurz gehalten sind und immer zwischen den Sichtweisen von Amy und Junior wechseln, hilft dabei natürlich auch.

Aber ich würde diese Rezension nicht schreiben, wenn ich nicht auch ein bisschen was zu meckern hätte. Zum Beispiel sind nicht alle der oben erwähnten Plottwists sonderlich gut gelungen:
Wer hat Amy aufgetaut und warum? – Wusste ich, nachdem ich den Umschlag gelesen habe.
Wer ist der Bösewicht, der die anderen eingefrorenen Passagiere umbringt? – War mir klar, als die Person zum ersten Mal auftaucht.
Und wenn man die größten Enthüllungen des Buches schon durchschaut hat, bevor man Seite 100 erreicht hat, ist das natürlich ziemlich enttäuschend. Kleine Hinweise und ein bisschen Foreshadowing sind ja grundsätzlich super. Wenn man aber Charaktere so schreibt, dass man sie sich schon mit einem riesigen „HIER, ICH WARS!“-Schild vor der Stirn vorstellt, läuft irgendwas falsch. Nichtsdestotrotz gibt es aber ein paar Einzelheiten und Geheimnisse des Schiffes, die man nicht sofort errät. [Zum Glück!]

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich die „Liebesgeschichte“ zwischen Junior und Amy. [Ich hoffe, ihr seht diesen Satz nicht als Spoiler. Immerhin reden wir von einem Young-Adult-Buch.] Ich kann nicht nachvollziehen, was die beiden aneinander finden. Junior sieht Amy zum ersten Mal, als sie noch eingefroren ist, bemerkt ihre roten Haare und ihre blasse Haut und ist Hals über Kopf verschossen. Ja, toll. Wiedermal eine Verliebtheit, die sich nur auf’s Aussehen bezieht. Ugh. Langweilig. Leider konnte mich Amy im weiteren Verlauf des Buches auch nicht sonderlich mit ihrem Charakter überzeugen.
Amy wiederum sieht Junior, kurz nachdem sie aufgetaut wurde. Sie reden zwei Minuten, wobei Junior ihr beizubringen versucht, dass sie 50 Jahre zu früh aufgeweckt wurde. Und NATÜRLICH erkennt sie in dieser kurzen Zeit, dass er SO(!) anders ist, als alle anderen. Ach, ach, ach. Und so kommen inneren Monologe zustande, wie: „Man kann nirgendwo hinrennen. Aber, flüstert mein Herz, da ist Junior.“ Okay, klar. Junior ist einer der wenigen auf dem Schiff, die nett zu ihr sind. Aber das ist zum Beispiel auch Harley, Junior’s bester Freund. Hätte sich zwischen Harley und Amy im Laufe der Zeit eine Romanze aufgebaut, hätte ich das verstehen können. [Die beiden hätte ich sogar geshippt!]

Aber Junior und Amy – Das geht gar nicht. Unglaubwürdig, null Chemie und vollkommen überstürzt.

Sehr schade finde ich außerdem, dass über die fast 500 Seiten des Buches kaum etwas wirklich spannendes passiert. Allein auf den letzten Seiten hatte ich noch die dumpfe Hoffnung, dass sich jetzt doch ein Spannungsbogen aufbaut, wurde aber leider enttäuscht. Der „Finale Showdown“ [um es mal etwas dramatischer zu formulieren] ist nach zirka drei Seiten schon wieder vorbei. Schade, schade.

Fazit

Trotz vieler frustrierter „OH, MEIN GOTT, DAS IST SO OFFENSICHTLICH!“-Schreie meinerseits, habe ich mich beim Lesen von Godspeed – Die Reise beginnt ganz gut unterhalten gefühlt. Es ist ein typischer erster Teil einer typischen Young-Adult-Reihe: Man wird über viele Seiten in diese neue Welt eingeführt, lernt die Regeln kennen und kann sich ein gutes Bild vom Leben auf der Godspeed machen. Der Schreibstil ist angenehm und durch das recht abrupte Ende ist man quasi dazu genötigt, dem Folgeteil eine Chance zu geben – Und das werde ich auch tun. Gerade was die Charaktere angeht, gibt es dort noch viel Potential, das in Die Suche und Die Ankunft ausgeschöpft werden kann und ich bin wirklich gespannt, was Beth Revis daraus macht. Tolle Ideen hat sie ja teilweise, die gute Frau.

Empfehlen kann ich das Buch jedem, der etwas zum „Nebenbei“-lesen sucht. Godspeed kann wirklich Spaß machen – wenn man nicht zu sehr darüber nachdenkt. Weder über die wissenschaftlichen, noch über die romantischen Facetten. [Das war wahrscheinlich mein Fehler. ;D]

Zwei SterneIch vergebe drei von fünf Sternen!

Wer übrigens – wie ich – immer einen hübschen Soundtrack zum Buch braucht, dem verlinke ich hier eine Playlist, die ich während des Lesens rauf und runter gehört habe. Viel Spaß damit.

Ein Gedanke zu “Rezension: Godspeed – Die Reise beginnt.

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