Der Druck steigt!

Wir schreiben den 19. Oktober 2011 als ich das verdreckte Mühlhäuser Randgebiet verlasse. Wir sind auf dem Weg nach Erfurt um eine unnötige Wiederholungsklausur zu schreiben, die es (meiner Meinung nach) nur gibt, um uns erneut zu demütigen und uns aufzuzeigen, wie wenig wir wert sind. Wir verfahren uns ca. zwölftausend Mal – Ich habe das Gefühl, dass diese Zahl noch stark untertrieben ist – im achsogroßen Erfurt. Wehrlose, wimmernde Omis und winselnde Fußhupen pflastern unseren Weg. Als wir endlich in der Augustienerstraße angekommen sind, sind wir fast zu spät. Egal.

Ich schreibe eine verdammt schlechte Klausur und lotse uns danach mehr schlecht als recht mit meinen spärlichen Ortskenntnissen zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg heulen wir uns gegenseitig die Ohren voll, weil wir es mal wieder verkackt haben. Ich verabschiede mich und frage mich mal wieder, warum mich nicht einfach mal eine fliegende Badewanne erschlagen könnte. Oder eine fette Mary Poppins, deren Schirm gerissen ist..

Aber davon kann ich mich ausnahmsweise mal nicht runterziehen lassen, denn nach dieser Mistkacke treffe ich mich mit Gretel, der Räubertochter und Stefanie, für die mir kein treffender Deckname eingefallen ist.
Wir sind nämlich cool. Wir haben uns Casper-Konzertkarten gekauft. *HartenApplausFürUnsBitteHierEinfügen*
Dummerweise ist es in diesem Moment gerade mal 16.00 Uhr, so grob geschätzt. Einlass ist erst drei Stunden später. Deshalb vertreiben wir uns die Zeit mit ungesundem Essen bei McDonalds, einkaufen im REWE, hässliche-Hüte-aufprobieren-und-von-Schloss-Einstein-Typis-anquatschen-lassen im H&M, dummlabern der ganzen Bastarde und Bastardinnen und Verabredungen in der Nordsee, die wir am Ende doch nicht einhalten.
Als wir das Centrum endlich gefunden und unsere Wartezeit abgelaufen haben, ist es kalt, es riecht nach Pisse (hrrr) und unsere Geduldsfäden sind verdammt nah am versagen. Genau wie der Akku meines Telefons. Um die Zeit und die Kälte zu vertreiben singen wir Laurenzia und den Homodance. Der Plan ging auf: Die Türsteher sind so verschreckt von unserem gesinge und getanze, dass sie die Tore sofort aufreißen, damit wir damit aufhören. Wir tun ihnen den Gefallen. Außnahmsweise.

Drinnen angekommen kaufen wir uns Casper-Shirts, quetschen uns auf winzige Klos, verprügeln Leute an der Gardarobe, legen uns Knicklichter um die Handgelenke – nur für den Fall, jemand geht verloren – und bahnen uns unseren Weg durch die dicht gedrängte, stinkende Masse. Wir finden einen netten Platz und beginnen nun wieder mit der Warterei. Unsere Hoffnung, dass Cas keine Vorband hat, wird nach einer Weile zunichte gemacht. Ich kann mir den Namen nicht merken, deshalb kann ich euch nicht sagen, von wem. Wir lassen das Geplärre über uns ergehen und sind heilfroh, als es endlich zuende ist. Irgendwann läuft ‚Fix You‘ von Coldplay. Die Räubertochter beugt sich vor und verrät mir „Ich hab gehört, dass spielen sie immer, bevor es anfängt. Kein Plan warum..“. Ich zucke mit den Schultern, „Schön wär’s ja“.
Sie behällt recht. Mittendrin wird das Lied unterbrochen und durch typische Introgeräusche ersetzt. Jap, jetzt fängt es also an. Menschen mit Wolfsmasken kommen auf die Bühne und die Menge flippt aus, als der ‚Leitwolf‘ auf die Bühne kommt.  „3.. 2.. 1.. Der Druck steigt!“ wird ins Mikro gebrüllt und die Augen der Wölfe beginnen zu leuchten. Geiler Shit, echt! Was folgt sind ca. 2 Stunden Action. Wir sind hin und weg, singen, tanzen, springen, rappen, schubsen Leute, heben unsere bösen, bösen Mittelfinger und verfolgen eine sehr gute, solide Bühnenshow. Ich heule wie bekloppt, als ‚Michael X‘ gespielt wird und gebe Livestreams an den Fuchs und den Typen mit Mütze bei „Die letzte Gang der Stadt“ und „So perfekt“. Fühle mich wie ein guter Russe.

Aber auch das schönste Konzert findet leider früher oder später ein Ende und so machen wir uns wieder auf den Weg nach Haus, natürlich nicht, ohne dem Fuchs noch ein Shirt zu kaufen und uns vom offiziellen ScheidClub anwerben zu lassen.

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